Fußball: Verdiente 1:3-Schlappe der I. Herren gegen VfR Voxtrup

Es war angerichtet: In ihrem einjährigen Ausflug gen Landesliga schienen die Kicker aus dem fernen Südosten Osnabrücks eingesehen zu haben, dass wir es im Nordkreis doch um einiges schöner haben als in so mancher Bauernschaft Vechtas oder Cloppenburgs und sind einfach mal direkt wieder abgestiegen. In der neuen Saison taten sie in den ersten Spielen gleich auch gut daran, den Fehler eines Aufstieges nicht erneut zu begehen und verloren glatt drei ihrer fünf Spiele. Petrus schätzte die Voxtruper Liebeserklärung an den Bezirksligafußball und schickte spätsommerliche Grüße. Einzig der Rasenplatz des altehrwürdigen Quitt-Stadions an der Bippener Straße entsprach nach den Regengüssen unter der Woche nicht den beim SV gewohnten Standard.

Dennoch waren die Vorzeichen günstig für die Ankumer, die unglaubliche drei Spiele nacheinander gewinnen konnten. Dass zu Saisonanfang zwei 3:4-Niederlagen standen und bereits 16 (in Worten: sechzehn!) Gegentreffer hinzunehmen waren, könnte dabei fast in Vergessenheit geraten. Nach dem wenig glamourösen Arbeitssieg in Glandorf am letzten Wochenende könnte man bei Fortsetzung der Siegesserie derartige Euphorie in der Dommetropole auslösen, dass sogar eine Aussöhnung der Edelfans mit Stephan Imdieke möglich sei, da waren sich alle Beteiligten sicher.

Und so gab Chefcoach Frank „Fucky“ Werner die guardiolesque Devise aus: „Sieg oder nix!“ Angehen wollte er diese Aufgabe mit einem auf zwei Positionen veränderten Team. Neben Stephan Imdieke, der in Glandorf den ersten Einsatz ohne eine Nominierung in die FuPa-„Elf der Woche“ verbuchte und sich so nur mit der Nominierung zum Spieler des Spiels zufriedengeben musste, wurde auch der angeschlagene Julian Schimpf, Neuzugang vom TuS der-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf, aus der Mannschaft rotiert. Somit fehlten schon einmal 150kg-Waden-Kampfgewicht. Ins Team rutschten dafür Arthur Morast auf der Innenverteidiger- und Louis Westerkamp auf der Sechserposition. Nicht mit dabei waren Nick Linnenbaum, Waldemar Miller und Florian Schnurpfeil.

Soviel zur personellen Situation und besonderen Umständen. Der Grund für diese ausgiebige Vorberichterstattung ist dieser: Zum Spiel gibt es absolut gar nichts zu erzählen. Mit dem ersten ernstzunehmenden Schuss der Partie traf Goalgetter Tim von dem Brinke zur Führung, mit dem zweiten traf Claas Seidel ganze zwei Minuten später zum Ausgleich. Die schwache Abwehrarbeit bei den Gegentoren überbot beinahe die abgrundtiefschlechte Spieleröffnung beider Mannschaften. Schottische Flachpässe wären wohl ein unglaublicher Euphemismus für jene Art Krankheit, die auf den Platz gebracht wurde. Dass die wenigen Zuschauer, die den hoffnungslosen Optimismus in sich trugen und tatsächlich noch mit Fußball rechneten, nicht auch noch vergrault wurden, muss am Bier oder Herzinfarkt infolge verfetteter Bratwürstchen gelegen haben. Und just als ich meinte, jemanden gesehen zu haben, der begonnen hatte, sich die Augen auszukratzen, pfiff der Schiedsrichter zum Pausenpfiff.

Besser wurde es in der zweiten Halbzeit nicht, dabei hatte Patrick Greten einige Sekunden nach Wiederanpfiff sogar noch die beste Ankumer Chance des Spiels. Dann aber nahm das Spiel wieder seinen gewohnten Lauf. Kreativität und überraschende Momente waren seltener als trockene Tage bei Ansgar Brinkmann. Spannend waren höchstens die lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den Trainerbänken. Nach etwas mehr als einer Stunde Grottenkick besorgte dann Negwer mit einem beschreibenden Tor die Führung für das doch irgendwie bessere von beiden Teams. Nach einer guten Fußabwehr von May-Johann flog der Ball hoch in die Luft. Dabei musste der Torwart der Rothosen zu lange in die Sonne geschaut haben oder auf der Tribüne lief plötzlich die neue Ische von Lothar Matthäus; jedenfalls fiel das Spielgeräte in Zeitlupe einem der beiden Voxtruper, die als einzige Spieler überhaupt irgendwo in Ballnähe im Fünfer standen, an die Hand (der Schiedsrichter wartete wohl auf den Videobeweis oder was) und dann auf den Fuß.

Nun stellte der Quitt in der Hoffnung auf eine späte Reinkarnation von Vierer- auf Dreierkette um. Nicht dass sich irgendetwas änderte. Aber ein „Und dann haste halt aufgemacht und wirst nochmal klassisch ausgekontert“ zieht doch immer und erklärt das 1:3, wenn man nach dem Spiel schlecht gelaunt an seinem schon warmen Bier nuckelt und jedem Halbbesoffenen wieder erzählen muss, wie das denn passieren konnte. Vorne rollten derweil schon vereinzelt Steppenläufer durch die verlassene Sechzehnerprärie. Außer den ein oder anderen Ansatz von Konter der Grünen bot das Spiel nun nichts mehr. Nun ja, letztendlich also ein Spiel, das man im Fußballfachjargon wohl mit Sätzen wie „Der Quitt konnte seine Leistung nicht abrufen“, „Der Schiedsrichter pfiff in manchen Situationen unglücklich“, „Der VfR agierte über weite Strecken reifer“ oder „Ein Spiel mit eher mäßigem Niveau“ beschreiben würde. Oder man zahlt nicht die vier Euro ins Phrasenschwein und nennt das Kind beim Namen: Scheißspiel.

Hoffen wir auf Besserung, wenn uns am nächsten Samstag die Sportfreunde aus Lechtingen im Quitt-Stadion besuchen. Voxtrup trifft derweil im Stadtduell auf den SSC Dodesheide.

Rss